Schriftdolmetschen

Schriftdolmetschen

Was ist das?

Schriftdolmetscher tragen zur barrierefreien Kommunikation für Menschen mit Hörbeeinträchtigung bei. Sie wandeln das gesprochene Wort nahezu in Echtzeit in Schriftform. Die Mitschriften können bei Gesprächen oder Veranstaltungen zeitgleich auf einem Bildschirm oder mobilen Geräten mitgelesen werden und ermöglichen eine aktive Teilnahme.

Zu den Kunden zählen Menschen mit Hörbeeinträchtigung (z. B. Schwerhörige, Spätertaubte, CI-Träger, die die Gebärdensprache nicht oder nicht ausreichend beherrschen), die über eine ausreichende Schriftsprachkompetenz verfügen. Der Kunde kann den verschriftlichten Text am Monitor (Laptop, Tablet, Smartphone) oder auf einer Leinwand mitlesen.

Methoden

Ich arbeite mit der konventionellen Methode und der Spracherkennungsmethode.

Bei der konventionellen Methode werden die Redebeiträge getippt und der Inhalt zusammengefasst. Dabei werden selbst erstellte Kürzel verwendet. Mit etwa 600 Anschlägen pro Minute und meinem Kürzelsystem bin ich sehr schnell auf der Tastatur unterwegs.

Bei der Spracherkennungsmethode spreche ich den gesprochenen Text einschließlich Satzzeichen nach („Respeaking“). Die Spracherkennungssoftware Dragon, die ich auf meine Sprechweise trainiert habe, gibt den Text in Schriftform aus.

Angegeben werden auch auditive Elemente wie Applaus oder Lachen. Je nach Sprechtempo des Redners, nach Setting oder auf Wunsch des Rezipienten wende ich die eine oder andere Methode an. Je nachdem wird der gesprochene Text zusammengefasst oder möglichst wortwörtlich wiedergegeben.

Schriftdolmetschen in Kürze:

  • Schriftdolmetscher wandeln gesprochene Sprache simultan in Schriftsprache

  • Mitschrift in Echtzeit

  • In Präsenz oder online

  • Mitlesen am Laptop, Tablet oder Smartphone oder auf Leinwand

  • Konventionelle Methode (Tippen) oder Spracherkennungsmethode
    (Respeaking)

  • Unterstützung bei der barrierefreien Kommunikation für hörbehinderte Menschen

  • Ermöglicht eine unmittelbare Teilhabe

  • Live-Untertitel

  • Speech-to-text

Einsatzarten

Präsenzdolmetschen

Bei Einsätzen vor Ort sitzt der Kunde meist direkt neben dem Schriftdolmetscher und liest die Mitschrift auf dem Laptop, Tablet oder Smartphone mit. Bei größeren Veranstaltungen arbeitet der Schriftdolmetscher idealerweise in Dolmetschkabinen. Sitzt der Schriftdolmetscher mit im Raum, tippt er oder spricht in einen Silencer, eine schalldämpfende Maske. So hört man nur ein leises Murmeln. Die Mitschrift kann auf einer Leinwand oder auf mobilen Endgeräten mitgelesen werden.

Online-Dolmetschen

In der Corona-Zeit sind Online-Termine für viele Menschen alltäglich geworden. Ich schalte mich online zur Videokonferenz zu und sende dem Kunden einen Link, unter dem die Mitschrift mitverfolgt werden kann.

Allgemeines

Bei Präsenzeinsätzen arbeite ich entweder direkt in einer Word-Datei oder mit dem Schriftdolmetsch-Tool Text on Top. Bei Online-Terminen verwende ich Text on Tap, ein einfach zu bedienendes Tool, bei dem der Kunde selbst Schriftgröße und -farbe ändern kann.

Geht der Termin länger als eine Stunde, arbeiten mindestens zwei Schriftdolmetscher zusammen. Das Simultandolmetschen erfordert eine sehr hohe Konzentration. Um die Qualität zu gewährleisten, müssen sich die Schriftdolmetscher etwa nach einer Viertelstunde abwechseln und können sich gegenseitig korrigieren.

Zur Vorbereitung benötigen Schriftdolmetscher Einarbeitungsmaterial wie beispielsweise Powerpoint-Präsentationen, Tagesordnung oder Namen der Teilnehmer. Vorab werden Fachbegriffe, Namen und Abkürzungen erfasst bzw. gekürzelt, damit sie dann auch richtig in Schriftform ausgegeben werden können.

Ich befolge die Berufs- und Ehrenordnung für SchriftdolmetscherInnen. Darin sind Rechte und Pflichten von SchriftdolmetscherInnen geregelt, wie z. B. zu allgemeinen Berufspflichten, zur Auftragserfüllung, Verschwiegenheit und Kollegialität.

Mitschrift

Die Mitschriften sind eine Momentaufnahme der Gesprächssituation und werden in der Regel direkt nach dem Einsatz gelöscht. Es kann jedoch vorab vereinbart werden, dass die Mitschriften nach dem Termin bereitgestellt werden. Dafür müssen vor dem Termin verschiedene datenschutzrechtliche Aspekte geklärt werden. Die Mitschriften werden überarbeitet und ggf. anonymisiert. Mitschriften sind eine Sekundärleistung, die zusätzlich vergütet wird.

Einsatzbereiche

Mögliche Einsatzgebiete sind überall, wo mündliche Kommunikation stattfindet, in Präsenz oder online, wie zum Beispiel:

In der Bildung:

Ausbildung, Weiterbildung
Studium, Schulunterricht

Bei der Arbeit:

Teambesprechungen, Betriebsversammlungen, Seminare

Im Privatleben:

Beratungsgespräche
Arztbesuche
Behördengänge

In der Politik:

Landtage, Bundestag im Live-Stream, Parteitage

Bei Veranstaltungen:

Konferenzen, Interviews

Kosten

Die Kostenübernahme ist gesetzlich geregelt und wird in den meisten Fällen von Kostenträgern übernommen. Je nach Einsatzgebiet sind unterschiedliche Kostenträger zuständig (z. B. im Arbeitsleben Inklusionsamt, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit, im Gesundheitsbereich die Krankenkassen oder Berufsgenossenschaft) oder der Einsatz eines Schriftdolmetschers kann über das Persönliche Budget finanziert werden.

Die Rechtsgrundlagen sind das Sozialgesetzbuch (SGB IX), die Kommunikationshilfenverordnung (KHV) oder das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG).

Verrechnet wird in Stundensätzen oder ggf. Tagessätzen. Bei Terminen vor Ort sind die Fahrtkosten, Auslagen und Reisezeit zu erstatten, bei Online-Einsätzen die Plattformgebühr für das eingesetzte Tool. Vereinbarte Mitschriften, die nach dem Termin bereitgestellt werden, sind als Sekundärleistung zu vergüten.